Was ist eine Blendenstufe?

Mithilfe der Blendenstufen, Blendenzahl, Blende oder auch Blendenreihe wird bestimmt, wieviel Licht instantan auf den Sensor Deiner Kamera fällt. Die Blendenreihe, zumindest die ganzen Blendenstufen, solltest Du Dir nach und nach in Deinem Gedächtnis verankern, notfalls tätowiere sie Dir auf den Arm. Mach Dir aber jetzt erstmal keine Gedanken darüber. Nur, dass Du es schon mal gehört hast.
Kommen wir vorerst zu den tatsächlichen Blendenstufen, bevor wir mit der Helligkeitsangabe weitermachen.
Wie wir in der Lektion Richtig Belichten, schon gelernt haben dient die Blende dazu die Öffnung des Objektivs zu steuern.

Zur Veranschaulichung der Blendenstufen ein 50mm Objektiv mit unterschiedlichen Öffnungen

Blende f/2.8
Blende f/2.8
Blende f/5.6
Blende f/5.6
Blende f/16
Blende f/16

Die Lochgröße wird in Blendenstufen angegeben, man unterscheidet in ganzen, halben und drittel Blendenstufen.

Die Blendenreihe in ganzen Blendenstufen
f/1 — f/1,4 — f/2 — f/2,8 — f/4 — f/5,6 — f/8 — f/11 — f/16 — f/22 — f/32 — f45 usw.

Die Blendenreihe in halben Blendenstufen
f/1 – f/1,2 – f/1,4 – f/1,7 – f/2 – f/2,4 – f/2,8 – f/3,4 – f/4 – f/4,8 – f/5,6 usw.

Die Blendenreihe in drittel Blendenstufen
f/1 – f/1,1 – f/1,2 – f/1,4 – f/1,6 – f/1,8 – f/2 – f/2,2 – f/2,5 – f/2,8 – f/3,2 – f/3,5 – f/4 – f/4,5 – f/5,0 – f/5,6 usw.

Nur damit Du erst einmal einen kurzen Überblick hast. Mehr erfährst Du dann weiter unten.

Blendenstufe als Helligkeitsangabe

In der Fotografie spricht man oft von einer Blendenstufe, oder Blende und meint damit nicht unbedingt das Verstellen der Blendenlamellen, also das mechanische Bauteil an sich, sondern das Ändern der Belichtung um eine Stufe, also Blende als Helligkeitsangabe. Sicher hast Du schon mal so etwas gehört wie:
Das Foto ist eine  Blende überbelichtet, oder der Hintergrund ist eine Blende unterbelichtet. Hier kommt auch der Begriff Stop, oder Lichtwert (LW) zum Einsatz, welcher auch nur eine Helligkeitsänderung beschreibt. Das mag gerade etwas verwirrend sein, aber wir klären das gleich auf. Also nicht aufgeben.
Wichtig ist zu verstehen, dass wenn man in der Fotografie davon spricht die Kamera eine Blendenstufe, oder eine Blende heller zu stellen, die Verdopplung des Lichtes, der Helligkeit, der Belichtung bzw. der Lichtmenge gemeint ist.
Also nochmal zum besseren Verständnis 1 Stop heller bedeutet den Lichtwert um den Faktor 1 zu erhöhen, gleichbedeutend mit einer Blendenstufe, oder einer Blende. Ich hoffe dies ist bis hier klar. Wenn nicht, wird es das aber sicher bald sein, nur nicht den Mut verlieren.

Welche Möglichkeiten hast Du jetzt Dein Foto eine Blendenstufe heller zu machen?

Du erinnerst Dich sicher noch an die letzte Lektion: Richtig Belichten, wo es um die richtige Belichtung ging. Es gibt 4 Faktoren welche das Licht welches auf den Sensor fällt beeinflussen.
Richtig! Blende, Belichtungszeit, ISO, und das Umgebungslicht.

Nehmen wir das Umgebungslicht jetzt mal als gegeben und arbeiten mit den 3 anderen Komponenten der Belichtung weiter.
Ich habe Dir ja in der letzten Lektion versprochen, dass es jetzt etwas praktischer wird und ich möchte zu meinem Wort stehen.

Nimm jetzt Deine Kamera in die Hand, wenn Du noch keine hast, hoffe ich Dein Smartphone hat in der Kamera App die Möglichkeit, Einstellungen manuell vorzunehmen. (Oft unter dem Menüpunkt „pro“)
Ich gehe aber mal davon aus, dass Du stolzer Besitzer einer Kamera bist, sonst wärst Du vermutlich nicht hier.

Stelle Deine Kamera in den manuellen Modus (M) Da ich nicht weiß, wie hell oder dunkel Dein Umgebungslicht ist, arbeiten wir jetzt einfach mit Testwerten, wir wollen ja jetzt nicht das Foto unseres Lebens schießen, sondern den Begriff Blendenstufe / Blende als Helligkeitsangabe verinnerlichen.

Kamera-Modus-M

Also los geht’s.
Wenn Du ein Stativ hast setze Deine Kamera bitte vorher auf Dein Stativ. Stelle nun Deine Belichtungszeit auf 1/250 und Deine Blende auf f8, ISO auf den Wert 200 (kein Auto ISO). Jetzt darfst Du den Auslöser betätigen und Dein erstes Foto schießen.

Blendenstufe 8 Belichtungszeit 1/250 ISO 200

Betrachte nun Dein Meisterwerk. Ich vermute mal es wird etwas dunkel sein, Du hast es vermutlich in Deiner aufgeräumten Wohnung gemacht. Auf diese Vorahnung komme ich, weil ich vermute, dass Du gerade meinen Fotokurs, an Deinem PC in Deiner Wohnung verfolgst und Dein Umgebungslicht daher wesentlich geringer als normales Tageslicht sein wird. Sollte Dein Foto zu dunkel für unser Experiment sein, dann Stelle Deinen ISO auf 400 und beim 4. Bild dann auf 800

Unser Ziel ist jetzt das gleiche Foto eine Blendenstufe / Blende heller zu machen.

Mache bitte jetzt 3 Fotos mit jeweils folgenden Werten.

  • Belichtungszeit 1/250, Blende f5,6, ISO 200
  • Belichtungszeit 1/125, Blende f8, ISO 200
  • Belichtungszeit 1/250, Blende f/8, ISO 400
Blendenstufe f/5.6 Belichtungszeit 1/250 ISO 200
Blendenstufe f/8 Belichtungszeit 1/125 ISO 200

Auswertung

Wenn Du alles richtig gemacht hast, sollten Deine letzten 3 Fotos nicht nur heller geworden sein, sondern auch genau gleich belichtet sein. Vorausgesetzt Dein Umgebungslicht war bei allen 3 Fotos genau gleich

Zeit: 1/250 Blende f/8 ISO 200
Zeit: 1/250 Blende f/8 ISO 200
Zeit: 1/250 Blende f/5.6 ISO 200
Zeit: 1/125 Blende f/8 ISO 200
Zeit: 1/125 Blende f/8 ISO 200
Zeit: 1/250 Blende f/8 ISO 400
Zeit: 1/250 Blende f/8 ISO 400

Was haben wir jetzt genau gemacht, also genau genommen Du?
Bei Deinem ersten Foto hast Du Deine Blende genau eine Blendenstufe weiter geöffnet, von Blende 8 auf Blende 5,6. Du hast das Loch durch dass, das Licht in Dein Objektiv fällt also vergrößert in dem Du den Blendenwert verkleinert hast. Merke Dir vorerst größere Blende, kleinerer Blendenwert. Warum das so ist, klären wir, wenn wir zur Lektion Blende kommen. Jetzt möchte ich Dich nicht damit verwirren, nimm es vorerst als gegeben. Falls Dir Deine Kamera zwischen dem Wert Blende f8 und Blende 5,6 weitere Werte angezeigt haben sollte, soll Dich das erstmal auch nicht kümmern, auch dazu kommen wir noch. Von Blende f8 zu Blende f5,6 ist es genau eine Blendenstufe! Die Lichtmenge wurde verdoppelt.

Bei Deinem zweiten Versuch hast Du die Belichtungszeit verdoppelt und somit auch die Lichtmenge. Also auch wieder genau eine Blendenstufe heller. Ausgangswert war hier 1/250, eingestellt haben solltest Du: 1/125 um länger zu belichten. Du hast Deiner Kamera also genau 0,004s mehr Zeit zum Belichten gegeben.
Beim dritten Mal waren die Werte der Blende mit f8 und der Belichtungszeit mit 1/250 gleich geblieben, aber Du hast die Sensorempfindlichkeit um eine Blendenstufe erhöht. In den ISO Wert von 200 zu 400 verdoppelt hast.

Große Blende = Kleiner Blendenwert

Was große Blende, kleiner Blendenwert bedeutet und warum diese vermeintliche Gemeinheit keine ist, erfährst Du jetzt.

Man spricht  in der Fotografie oft von einer großen Blende und einem kleinen Blendenwert. Wieso ist das so? 

Diese vermeintliche Gemeinheit stiftet oft Verwirrung unter den Hobbyfotografen, auch einige Profifotografen haben hier oft Schwierigkeiten dies zu erklären. Dabei ist das gar nicht so schwer. Eine große Blende ist einfach eine große Blendenöffnung und der Lamellen Ring (die eigentliche Blende) verdeckt nur sehr wenig von dem Loch. Also der Lamellenring ist klein z.B. Blende f/1.8, die Objektivöffnung groß. Also ein kleiner Blendenwert weil die Lamelle klein ist.

Sind die Lamellen geschlossen, dann ist der Lamellenring auch groß, daher ein großer Blendenwert. Die Objektivöffnung ist klein. In der Fotografie spricht man aber von einer großen Blende und meint eigentlich die Öffnung, bei kleinem Blendenwert, daher kommt es immer wieder zu Unstimmigkeiten. Du gehörst jetzt aber zu den Wissenden unter den Fotografen. Toll nicht wahr 🙂
Das klingt so einfach, gell?
Es ist aber falsch!!!

In Wahrheit ist es dann doch etwas komplizierter. Mein kleiner Schwindelanfall sollte Dir eigentlich helfen dieses vermeintliche Paradoxem besser zu verstehen, bzw. zumindest am Anfang einen kleinen Anhaltspunkt zu haben, auch wenn er falsch ist.

Jetzt müssen wir aber dann doch nochmal, oder gerade deswegen über die Blendenreihe sprechen, um das Ganze doch noch aufzuklären und Du die ganze Wahrheit erfährst.

Warum große Blende kleiner Blendenwert und warum sind die Zahlen krumm?

Weil niemand in den Urwald zog und die … 🙂
Die Blendenreihe in ganzen Blendenstufen, f steht dabei für die Brennweite
f/1 — f/1,4 — f/2 — f/2,8 — f/4 — f/5,6 — f/8 — f/11 — f/16 — f/22 — f/32 — f45 usw.
Große Blende: f/1,4 = viel Licht! (Große Blende, kleiner Blendenwert, geringe Schärfentiefe)
kleine Blende: f/45 = wenig Licht (Kleine Blende, großer Blendenwert, große Schärfentiefe)

So jetzt versuche ich aber mal auf den Punkt zu kommen.
Die Blendenwerte sind eigentlich Brüche, die Richtige Schreibweise wäre demnach bei einer Blende von f/1,4 (steht eigentlich schon da) 1:1,4 also:
1/1,4 und das ist nun mal größer als 1/2,
oder 1/4 ist größer als 1/8, also Blende 4 ist Größer als Blende 8. Ich hoffe Du kommst noch mit.
Warum jetzt also Blende 11 Größer Blende 22 ist sollte nun klar sein. Das war ja auch noch einfach.

Blendenreihe auf Objektiv

Widmen wir uns jetzt noch den krummen Zahlen

Objektive haben unterschiedliche Brennweiten (zu den Objektiven kommen wir aber auch noch)
Sollte bis hier noch nicht alles verstanden worden sein, dann fügt sich dann spätestens bei der Lektion über Objektive alles zusammen.

Ändert sich jetzt die Brennweite bei gleichem Blendenwert / Blendenstufe, ändert sich auch der Durchmesser der Blendenöffnung. (Deswegen sind Lichtstarke Teleobjektive so riesig)
Je größer die Brennweite, desto größer die Blendenöffnung bei gleichbleibendem Blendenwert.
Würde sich der Durchmesser der Blendenöffnung bei langen Brennweiten nicht vergrößern, dann würde weniger Licht auf den Sensor fallen, da sich der Bildwinkel verkleinern und somit die Fläche verkleinern würde.

Das darf aber nicht sein, da sich die Belichtungszeit von Blendenstufe zu Blendenstufe, halbieren, oder verdoppeln muss.
Bei einer eingestellten Blendnstufe z.B. f/8 muss immer gleich viel Licht auf den Sensor fallen, egal um was für ein Objektiv es sich handelt, ob Teleobjektiv, Weitwinkelobjektiv, oder Festbrennweite, spielt keine Rolle. Der Fotograf muss aufgrund seiner Erfahrung basierend auf der Blendenstufe, Belichtungseinstellungen wählen. Es wäre ja auch blöd, wenn er bei jedem neuen Objektiv umdenken müsste.

Wir gehen jetzt mal davon aus, dass die Blende genau kreisrund ist. (ist sie ja auch fast) Bei der Halbierung der Blende um eine Stufe muss sich demnach das einfallende Licht halbieren damit die Belichtungszeit verdoppelt werden kann, um zum gleichen Ergebnis zu führen. Den Durchmesser der Blendenöffnung jetzt einfach zu halbieren um auch den Lichteinfall zu halbieren wird nicht funktionieren. Denn um die Fläche eines Kreises auch zu halbieren, oder zu verdoppeln, muss ja der Durchmesser des Kreises mit der √2 = ~1,414 dividiert oder multipliziert werden. Aha 1,4 interessant, eine bekannte Zahl aus unserer der Blendenreihe oder?

Halbieren wir die Kreisfläche
1 * √2 = ~1,4 * √2 = 2 * √2 =~2,8 * √2 = 4 usw.

Berechnen wir mal die Fläche der Blendenöffnung

Beispiel:
Wir nehmen als Beispiel ein lichtstarkes Objektiv mit einer Brennweite von 35mm
Die Blendenstufe 1 entspricht dem Durchmesser der Blendenöffnung unseres 35mm Objektivs, also 35mm Eintrittspupille. 

Bei einem Durchmesser von 35mm und Blende 1

Also los geht’s:
Gegeben ist der der Durchmesser der Blendenöffnung d=35mm
Gesucht ist die Kreisfläche des Blendendurchmesser A?

Formel für die Kreisfläche ist Dir ja bekannt: A = π * r²
Da d ja genau 2 * r ist ergibt sich auch folgende Formel: A = π/4 * d²

d = 35 mm
A = π/4 * d²
A = π/4 * 35²
A = ~9,62 cm²

Also ~9,62 cm² beträgt die Fläche, der Blendenöffnung durch die das Licht auf den Sensor fällt bei Blende 1.

Eine Blendenstufe abblenden

Jetzt werden wir unser 35mm Objektiv mal eine Blendenstufe abblenden, also dunkler machen, also müssen wir die Fläche, durch die das Licht auf den Sensor fällt halbieren.
Wir müssen also von 9,62 cm² auf 4,81 cm² kommen.
Ja und das machen wir jetzt mal auch.
35 mm : √2 = 24,75 mm

Vereinfacht:

  • Brennweite f 35mm / 1,4 = Durchmesser oder  auch Eintrittspupille von: 25mm (35mm / 1,4 = 25mm)
  • oder umgekehrt Brennweite f 35mm : Durchmesser oder Eintrittspupille 25mm  = Blendenwert: 1,4 (35mm : 25mm = 1,4)

d= 24,75 mm
A = π/4 * d²
A = π/4 * 35,71²
A = ~ 4,81 cm²

Jetzt haben wir unser 35mm um eine Blende von f/1 auf f/1,4 (4,81cm²) abgeblendet. (2 x 4,81cm² = 9,63cm² = Blende 1)

Blendenreihe in ganzen Stufen

Und so ergeben sich dann halt die Zwischenschritte in der Blendenreihe der ganzen Blendenstufen. (Gerundet natürlich)

Jede Blendenzahl  wird aus der vorhergehenden Blendenzahl durch Multiplikation mit √2 berechnet.
f/1 * √2 = f/1,4 * √2 = f/2 * √2 = f/2,8 * √2 = f/4 * √2 = f/5,6 * √2 = f/8 * √2 = f/11 * √2 = f/16 usw.
Spätestens jetzt sollte klar sein, dass man wenn man die Blenden Zahl von f/4 zu f/8 verdoppelt, die Lichtmenge nicht halbiert sondern viertelt.

Berechnung der Blendenreihe in halben Stufen

Wenn Du mir bis hier folgen konntest, dann ist der Rest ein Einfaches.
Halbe Blendenstufen errechnen sich aus der 4. Wurzel aus 2  (Ich habe keine Ahnung wie ich die 4 auf das Wurzelzeichen bekomme. ich schreibe es einfach so 4.√2)

4.√2 =~ 1,18921
Jede Blendenzahl  wird aus der vorhergehenden Blendenzahl durch Multiplikation mit 4.√2 berechnet.
f/14.√2 = f/1,24.√2 = f/1,44.√2 = f/1,74.√2 = f/24.√2 = f/2,44.√2 = f/2,84.√2 = f/3,44.√2 = f/4 usw.

Berechnung der Blendenreihe in drittel Stufen

Die Drittel Blendenstufen errechnen sich aus der 6. Wurzel aus 2.

6.√2 =~ 1,12246
Jede Blendenzahl  wird aus der vorhergehenden Blendenzahl durch Multiplikation mit 4.√2 berechnet.
f/16.√2 = f/1,16.√2 = f/1,26.√2 = f/1,46.√2 = f/1,66.√2 = f/1,86.√2 = f/2 * 6.√2 = f/2,26.√2 = f/2,5 * 6.√2 = f/2,8 usw.

So jetzt haben wir dieses trockene Thema auch geschafft. Ich hoffe Du konntest mir hier folgen und Dir sind die Blendenstufen und ihre Berechnung jetzt etwas klarer.

Weiter geht es zur nächsten Lektion 4: Die Blende

Erstellt: 02.02.2021
Zuletzt bearbeitet: 09.02.20212