Schärfentiefe

Das Thema Schärfentiefe habe ich ja in den letzten Lektionen schon mehrfach angesprochen.

Da es sich hierbei aber um einen sehr wichtigen Teil der Fotografie handelt, möchte ich diesem Thema dann doch noch eine eigene Lektion widmen. Für Dich als Fotograf ist der Schärfebereich im Raum ein wichtiges Gestaltungsmittel, quasi eines der Hauptelemente in der Fotografie. Ein Fluch und ein Segen zugleich.

Was ist Schärfentiefe?

Kurz gesagt: Der Bereich im Raum, welcher auf dem Foto noch als scharf erkennbar ist wird als Schärfentiefe bezeichnet.

Schärfentiefe, oder heißt es doch eher Tiefenschärfe?

Als ich vor ca. 20 Jahren so richtig mit der Fotografie angefangen habe, ist mir nur der Begriff Tiefenschärfe untergekommen, ich habe mich auch richtig an diesen Begriff gewöhnt und auch lange verwendet. Mittlerweile habe ich mich überzeugen lassen, dass Schärfentiefe der richtige Begriff ist um die Ausdehnung der Schärfe im Raum zu beschreiben.

Dennoch wird immer wieder der eigentlich nicht korrekte Begriff „Tiefenschärfe“ unter vielen Fotografen verwendet, da er sich in der Umgangssprache einfach etabliert hat. Beide Begriffe Schärfentiefe und Tiefenschärfe bedeuten im Prinzip das Gleiche.

Das Spiel mit der Schärfe

Schärfentiefe wird in er Fotografie oft als Gestaltungsmittel eingesetzt, oft geht es dabei Objekte oder Personen vom Hintergrund freizustellen, um so das Augenmerk auf das eigentliche Motiv zu lenken. Bei der Landschaftsfotografie ist es eher umgekehrt, hier ist man in der Regel versucht so viel wie möglich im Raum scharf darzustellen.

Welche Faktoren haben Einfluss auf die Schärfentiefe?

Neben der Blende, die wie ja schon in Lektion vier behandelt haben, gibt es noch weitere Faktoren welche Einfluss auf den Schärfebereich im Raum nehmen.
Da wäre zum einen die Brennweite:

Je länger die Brennweite, desto weniger Schärfentiefe
Der Abstand zum Motiv:
Je näher Du mit Deinem Objektiv zum Motiv kommst, desto kleiner fällt die Schärfentiefe aus.

Also kommen wir auf 3 Faktoren, welche die Schärfentiefe beeinflussen:

  • Blende (kleine Blende > großer Schärfebereich
  • Brennweite (kurze Brennweite > großer Schärfebereich)
  • Motivabstand (großer Motivabstand > großer Schärfebereich)

Schärfentiefe und Sensorgröße

Besonders in der Portraitfotografie geht es ja oft um die Freistellung der Person vom Hintergrund. Hier kommen immer wieder die Vorzüge des Vollformat- bzw. Kleinbildsensors ins Gespräch.
Soll heißen je größer der Sensor, desto geringer die Schärfentiefe.
Das ist so aber nicht richtig!

Da kommt der sogenannte Zerstreuungskreis ins Spiel. Ich möchte das Thema Zerstreuungskreis jetzt nicht weiter vertiefen.
Nur kurz; Im Prinzip geht es darum das Kameras mit kleineren Sensoren, bei gleicher Brennweite nur Bildausschnitte produzieren, ausgehend vom Vollformatsensor.
Wenn man vom Vollformat ausgeht, zoomt man quasi ins Bild und vergrößert somit automatisch auch die Details im fertigen Bild. So werden auch die unscharfen Bereiche im Bild vergrößert dargestellt.

Richtig wäre also: Je größer der Sensor desto größer die sichtbare Schärfentiefe.

Ein großer Sensor macht es dennoch einfacher den Anschein von mehr Freistellung gegenüber dem Betrachter zu vermitteln. Da durch den größeren Bildausschnitt an z.B. Vollformat gegenüber z.B APS-C Sensoren oder Mft Sensoren, der Betrachter das Bild quasi von weiter weg betrachtet.
Um den gleichen Bildausschnitt, bei sagen wir mal einer Brennweite von 90mm an Vollformat zu erreichen, muss ich an einer Kamera mit APS-C Format (Crop-Faktor 1,5) ein Objektiv mit 60mm Brennweite benutzen.
An Kameras mit Mft Sensoren (Crop-Faktor 2) gar ein 45mm Objektiv.

Wenn ich annähernd den gleichen Eindruck an Schärfentiefe wie an einer Vollformatkamera, an einer Crop-Kamera vermitteln möchte, muss ich die Blende durch den Crop-Faktor teilen.

Das wären z.B. bei Blende f/2.8 an Vollformat:

  • 1,5 Blenden größer an APS-C, also Blende f/1.7
  • und 2 Blenden größer an Mft, also Blende f/1,4

 

Wohlgemerkt bei gleichem Bildausschnitt, also genau um den Crop-Faktor verkürzten Brennweite.
Du benötigst also um den gleichen Effekt an kleinen Sensoren wie an Vollformat zu erreichen; richtig helle, bzw. lichtstarke Objektive.
In der Landschaftsfotografie wo man gern einen größeren Bereich scharf abbilden möchte ist diese Eigenschaft von kleineren Sensoren wiederum ein Vorteil.

Beispielfotos zum Bildausschnitt bzw. Bildwinkel

  • Vollformat Sensor
  • Brennweite 50mm
  • Motivabstand 1,20m
  • APS-C Sensor
  • Brennweite 50mm
  • Motivabstand 1,20m

Schärfentiefe und Hyperfokale Distanz

Besonders in der Landschaftsfotografie ist große Schärfentiefe immer wieder ein Thema. Gerade hier möchte man am Liebsten, dass das Foto von vorn bis hinten im Raum scharf durchgezeichnet ist.

Hyperfokale Distanz ist ein Thema, welches hier unbedingt noch angesprochen werden muss. Wenn Du gern Landschaften fotografierst, dann solltest Du unbedingt hier weiterlesen und Dir dieses Thema verinnerlichen. Ich möchte unbedingt betonen, dass dieses Wissen sobald Du es verstanden hast wirklich nützlich ist und Du es auch sicher anwenden wirst.

Gerade für Anhänger, aber auch für Fortgeschrittene in der Fotografie kann dieses Thema durchaus Fragen aufwerfen. Im Prinzip ist es dann doch nicht so kompliziert, dennoch solltest Du Dich hier auf meinen Seiten bereits mit dem Thema Blende und Brennweite auseinandergesetzt haben.
Jetzt hoffe ich, Dein Interesse geweckt zuhaben und möchte Dich jetzt auch nicht weiter auf die Folter spannen.

Was ist Hyperfokale Distanz?

Als hyperfokale Distanz bezeichnet man den Fokuspunkt im Bild, ab dem die Schärfe im Raum bis unendlich und zur Hälfte zurück, als gut erträglich scharf abgebildet erscheint. Das bedeutet der Punkt im Raum, in Abhängigkeit von Brennweite und Blende, auf den Du fokussieren musst, damit der Schärfebereich ab dem fokussierten Bereich bis hinten scharf erscheint, wie auch die halbe Stecke zum Kamerastandpunkt zurück.
Anders ausgedrückt möchte man hier eine größtmögliche Schärfentiefe bis ans Ende des Motivs erreichen, ohne den Fokus auf unendlich zu setzen. Dabei reicht die akzeptable Schärfe um die Hälfte der Strecke zurück zu Dir.

Ich hoffe ich konnte dies mit den 3 Ansätzen der Formulierung irgendwie klar machen.
Stelle Dir einfach mal eine Landschaft vor, die Du gern fotografieren möchtest, Du möchtest gern, dass Dein fertiges Bild von vorn bis hinten scharf ist. Jetzt hast Du aber gelernt, dass Du im Raum eigentlich nur auf einen kleinen Bereich im Bild scharf stellen kannst.

Was ja heißt, wenn Du auf den Hintergrund fokussierst, wird der Vordergrund unscharf werden. Ein besseres Ergebnis wirst Du in diesem Fall auch nicht erzielen können, wenn Du auf den Vordergrund scharf stellst. Dann wird nämlich der Hintergrund unscharf.

Ein Problem das es zu lösen gilt.

Du solltest jetzt den Punkt im Raum finden, auf den Du fokussieren musst, damit Vordergrund und Hintergrund scharf erscheinen, soll heißen akzeptabel scharf. Genau dieser Punkt wird als hyperfokale Distanz bezeichnet.

An dieser Stelle möchte ich nochmal anmerken, es geht um akzeptable durchgängige Schärfe, es bleibt trotzdem nur ein kleiner Bereich im Bild, der exakt scharf abgebildet werden kann. Also theoretisch. Praktisch soll das Foto dennoch durchgängig scharf erscheinen.

Wie ich ja schon angesprochen habe, bestimmst Du den gewünschten Schärfebereich mit den Variablen, Blende, Brennweite und Distanz zum Motiv. Deine Kamerastandpunkt Sensorgröße, sowie Deine Brennweite wirst Du sicher bewusst gewählt haben. Bleibt also nur die Blende als Mittel übrig.

Bei einer großen Blende (kleiner Blendenwert) z.B. f/1.8 wird der Fokuspunkt ziemlich weit hinten im Bild sitzen, damit der Hintergrund bis unendlich scharf erscheint. Sitzt Dein Fokus zu weit vorn wird der Hintergrund unscharf erscheinen. Wenn Du jetzt Deine Blende schließt, z.B. f/16 kann der Fokuspunkt weiter vorn angesetzt werden, damit die akzeptable Zeichnung der Schärfe bis in den Hintergrund reicht. Im gleichen Zug wandert bei kleiner werdender Blende der Schärfebereich näher zu Deinem Kamera Standpunkt.

Bedenke aber unbedingt, dass die Schärfeleistung Deines Objektivs ab einer bestimmten Blende nachlässt. Stichwort: Beugungsunschärfe. Du solltest also Deine Blende wiederum nicht zu weit schließen, damit Dein Foto nicht zu matschig (unscharf) wird. Im Notfall musst Du eben mehrere Fotos machen und diese später am PC zu einem durchgängig scharfen Foto verrechnen.

Stichwort: Focus Stacking

Ich möchte an dieser Stelle gleich noch anmerken, dass die Anwendung und Berechnung der hyperfokalen Distanz wirklich nur Sinn macht, wenn Du auch wirklich Vorder- und Hintergrund scharf abgebildet haben möchtest. Die Anwendung der hyperfokalen Distanz wird auch nicht funktionieren, wenn sich scharfabzubildende Objekte zu nah an Deinem Objektiv befinden. Hier bleibt nur das verrechnen mehrerer Fotos mit unterschiedlichen Schärfebereichen zu einem Bild.

Auch wenn ich erwähnt habe, dass Du die Brennweite sicher nach Deinem Kamerastandpunkt und Deinem Motiv gewählt haben wirst, solltest Du dennoch folgendes Wissen:

Bei einem Weitwinkelobjektiv z.B. 16mm wirst Du Deinen Fokuspunkt wesentlich näher von Deinem Kamerastandpunkt setzen können, als mit einem Teleobjektiv mit z.B. 100mm Brennweite. Soll heißen, die hyperfokale Distanz wird bei einem Teleobjektiv viel weiter hinten im Bild sitzen.
Wichtig an dieser Stelle zu wissen ist, dass beim fokussieren auf die hyperfokale Distanz Dein Bild bereits ab der Hälfte der Entfernung von Objektiv und Fokuspunkt bis unendlich akzeptabel scharf sein wird. Dies gilt unabhängig von Brennweite und Blende, da der Fokuspunkt sich ja aus diesen Faktoren berechnet hat.

Beispiel: Deine hyperfokale Distanz liegt bei 20m, dann wird bereits ab 10m bis unendlich Dein Bild scharf erscheinen. Der Bereich bis zu diesen 10m wird nicht ausreichend scharf sein. Hier solltest die Wahl Deiner Blende, oder Deiner Brennweite nochmals überdenken, oder Focus Stacking in Betracht ziehen, vorausgesetzt, Du möchtest diesen Bereich auch scharf abbilden.

Ich hoffe Du konntest mir bis hier folgen. Jetzt bleibt aber immer noch die Frage offen, wie ermitteln wir die hyperfokale Distanz. Auf alten manuellen Objektiven konnte man diesen Wert einfach ablesen, auf modernen Objektiven geht dies nicht mehr. Dennoch musst Du jetzt keine komplizierten Berechnungen anstellen, denn Du bist sicher im Besitz eines Smartphones und das tolle an diesen schnurlosen Geräten ist es, das man diese mit Apps ausstatten kann und sie in der Regel dabei hat.

Ganz besonders empfehlen möchte ich Dir die App PhotoPills. Diese App hat neben einem Schärfentiefe Rechner noch viele andere nützliche Funktionen wie z.B. das Anzeigen des Stand von Mond, Sonne und Milchstraße , sowie Auf- und Untergang dieser. Und verdammt viele andere nützliche Funktionen und sollte zum Handwerkzeug eines jeden Landschaftsfotografen gehören.

Wem es jetzt nur um die Schärfeberechnung geht, schaut evtl. auch nach der App: Hyperfocal Pro.

Weiter geht´s zur Lektion 9: Die Bildgestaltung

Erstellt am: 17.03.2021
Zuletzt bearbeitet: 17.04.2021