Brennweite und Objektive

Sicher ist Dir in Verbindung mit der Fotografie schon oft der Begriff Brennweite untergekommen. Oft auch in Verbindung mit Begriffen wie:

Ich werde im Laufe dieser Lektion auf jede einzelne Objektivart und deren Verwendung eingehen. Dennoch möchte ich, wie Du sicher schon ahnen wirst, im Vorfeld noch einiges ansprechen.

Gleich am Anfang möchte ich auf eine Frage eingehen, welche ich mir selbst eigentlich nie gestellt habe. Dennoch ist mir diese Frage schon sehr oft untergekommen, oder es kam hier zu Verwechselungen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Objektiv und einem Stativ?

Also sagen wir mal so beide haben wohl miteinander soviel gemeinsam, wie etwa eine Windschutzscheibe mit einem Autoreifen.
Das Objektiv wird vorn an die Kamera geschraubt und ist quasi das Auge der Kamera, während man die Kamera selbst wiederum auf ein Stativ stellen kann, um z.B. zu stabilisieren, also um verwacklungsfreie Aufnahmen zu ermöglichen. Es besteht in der Regel aus 3 Beinen und einer Vorrichtung zur Aufnahme einer Kamera, der sogenannte Stativkopf.

Somit ist das Stativ also nicht Bestandteil dieser Lektion, kommen wir also zu die Frage:

Was ist ein Objektiv?

Objektive kann man als das Auge der Kamera bezeichnen. So wie das menschliche Auge zu den wichtigsten Sinnesorganen zählt, so gehört das Objektiv zu den unverzichtbaren Bauteilen Deiner Kamera. Es ist dafür verantwortlich wieviel Licht unter unterschiedlichen Faktoren auf den Sensor Deiner Kamera fällt. Das Objektiv bestimmt neben dem Licht, auch die Bildschärfe und den Bildausschnitt. Dazu später.


Das Objektiv erzeugt quasi eine optische Abbildung Deines Motivs und reproduziert diese auf den Sensor Deiner Kamera. Das Licht fällt also durch die Öffnung Deines Objektivs, macht dort Bekanntschaft mit verschiedenen Glaslinsen, wo das Licht gebündelt wird, ähnlich wie bei der Hornhaut Deines Auges. Im Anschluss daran durchquert das Licht die Blende, wie auch bei der Iris (Regenbogengaut) von Deinem Auge, wo jetzt noch die Helligkeit bestimmt wird und trifft letztendlich auf den Bildsensor Deiner Kamera, vergleichbar mit der Netzhaut Deines Auges.


Ich hoffe ich konnte Dir die Funktionsweise von Objektiven grob anschaulich machen, sodass Du Dir ein erstes Bild machen konntest. Vielleicht war Dir dies ja auch schon klar, dann hoffe ich, Dich nicht gelangweilt zu haben.

Brennweite

Wie ich weiter oben schon erwähnt habe, ist eine wichtige Eigenschaft von Objektiven der Bildwinkel, bzw. der Bildausschnitt (Crop-Faktor).
Womit wir auch schon bei der Brennweite wären.

Was bedeutet Brennweite bei Objektiven?

Als Brennweite, welche übrigens in Millimeter (mm) angegeben wird, wird die Entfernung zwischen dem Bildsensor und der Objektiv Hauptebene (rechnerische Mitte eines Objektivs) bezeichnet.
Die Hauptebene des Objektivs befindet sich jetzt nicht unbedingt in der Mitte des Objektivs, sondern wird durch die Eigenschaften der verwendeten Linsen bestimmt. Das aber nur am Rande, gehe der Einfachheit davon aus, dass die Objektivhauptebene im Bereich der Irisblende liegt.


An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass je größer die Brennweite wird, desto enger wird auch der Bildwinkel und somit natürlich auch der Bildausschnitt.
Die Brennweite bezieht sich zumindest bei Wechselobjektiven immer auf das Kleinbildformat mit einer Sensor Größe von 24 x 36 mm. Bei kleineren Sensoren wie z.B. bei APS-C, oder MFT Sensoren verkleinert sich der Bildausschnitt entsprechend dem Faktor, um den der Sensor kleiner ist. Hier spricht man vom Crop-Faktor. Dazu aber später mehr.

Selbstversuch zur Brennweite

Da mein letzter Erklärungsversuch jetzt sicher sehr theoretisch angehaucht war und Du Dir bis hier evtl. noch nicht vorstellen kannst, was mit Brennweite, Bildwinkel, oder Bildausschnitt gemeint ist und wo vor allem der Zusammenhang liegt, werden wir aus diesem Grund den Selbstversuch wagen.
Was Du jetzt benötigst sind zwei gesunde Hände. Es wäre zumindest von Vorteil, wenn Du zwei intakte Daumen und Zeigefinger zur Verfügung stellst.

Also jetzt geht es los.

Betrachte nun Deine rechte Hand, also genau die wo der Daumen links ist. Den kleinen Finger sowie Ring- und Mittelfinger benötigen wir nicht. Die kannst Du einfach einklappen. Die Handinnenfläche zeigt zu Dir, Daumen nach oben, Zeigefinger ausgestreckt. Der Daumen sollten nun auch auf der rechten Seite sein.
Bereite nun Deine linke Hand genauso vor, achte aber hier darauf, dass dieses Mal die Handaußenfläche zu Dir zeigt. Im nächsten Schritt berühre jeweils die Daumen mit den Zeigefingern der anderen Hand.

Wenn Du alles richtig gemacht hast, dann sollte eine Art Rechteck entstanden sein.
Prima, jetzt kann unser Experiment beginnen. Führe nun dieses Rechteck vor Dein Gesichtsfeld, sagen wir ca. 10 cm vor Dein Gesicht.
Wenn Du jetzt durch dieses Rechteck schaust, dann siehst Du einen gewissen Bildausschnitt wo Du sicher noch viel von Deinem Umfeld erkennen kannst. Wenn Du jetzt Deine Arme ausstreckst wird der Bildausschnitt immer geringer, dabei musst Du natürlich auch weiterhin durch Dein Rechteck schauen.
So musst Du Dir dieses Thema jetzt auch vorstellen. Je größer die Brennweite, desto kleiner wird der Bildausschnitt. Dein Rechteck ist in diesem Fall die Objektiv Hauptebene und Deine Netzhaut ist Dein Bildsensor.

Die Glaslinsen in Deinem Objektiv sorgen dafür, dass der Bildausschnitt scharf abgebildet wird und nah erscheint, genauso als ob Du das Bild aus Deinem Rechteck bei ausgestreckten Armen fixieren könntest und es so heran holen könntest.

Brennweite Beispielfotos

Hier habe ich mal ein paar Fotos mit unterschiedlichen Brennweiten gemacht, um dieses Thema etwas zu verdeutlichen. 

Angefangen bei 15mm im Weitwinkelbereich bis zum Supertelebereich mit 600mm. Alle Fotos wurden mit einer Vollformat Kamera aufgenommen, also mit einer Sensorgröße von 24 x 36mm.

Am besten auf die Bilder klicken, um sie zu vergrößern.
Brennweiten: 15mm, 20mm, 50mm, 100mm, 150mm, 200mm, 300mm, 400mm, 500mm, 600mm

Welche Objektivarten gibt es?

Kommen wir nun zu den verschiedenen Objektivarten.
Bevor ich jetzt die einzelnen Objektivarten direkt anspreche, möchte ich erst noch zwischen Objektiven mit einer Festbrennweite und Zoomobjektiven unterscheiden.

Was ist ein Zoomobjektiv?

Zoomobjektive sind Objektive mit veränderbarer Brennweite. Die Brennweiteneinstellung geschieht in der Regel durch Drehen am Zoomobjektiv selbst. Diese Zoomart ist auch die, welche man am häufigsten zu kaufen bekommt.

Es gibt aber auch Schiebezoomobjektive bei denen man die Einstellungen durch einen Schiebemechanismus vornimmt.
Der praktische Vorteil liegt hier auf der Hand Du kannst mit einem Objektiv mehrere Brennweiten abdecken, ohne einen Wechsel des Objektivs vornehmen zu müssen. Du bist also flexibel und musst Deinen Standort nicht ständig wechseln.

Ein typisches Zoomobjektiv, welches oft mit einer günstigeren Kamera als Kit-System ausgeliefert wird, ist z.B. ein 3-Fach-Zoom von 18-55mm.
3-Fach-Zoom deshalb, weil die 18; 3x in die 55 passt. Dieser Zoombereich wird wohl auch am Häufigsten benutzt. Es gibt aber auch Zoomobjektive mit einem größeren Brennweitenbereich, z.B 18-270mm was einem 15 flachen Zoom entsprechen würde.

Die Brennweite in Millimetern ist aber im Prinzip die einzig verlässliche Angabe bei Objektiven. Wieviel x-Fach ein Zoom hat sagt nämlich überhaupt nichts über ein Zoom aus und dient eher nur Werbezwecken.


Die Abbildungsleistung bzw. Schärfeleistung, sowie Lichtstärke von Zoomobjektiven kommt oft nicht an die Leistungsfähigkeit von Festbrennweiten heran und nimmt mit bei großen Brennweitenbereichen eher noch ab. Womit wir auch schon bei der nächsten Frage sind.

Was ist ein Festbrennweitenobjektiv?

Ein Festbrennweitenobjektiv ist ein Objektiv, bei dem bauartbedingt die Brennweite fest vorgegeben ist, wie der Name sicher auch schon vermuten ließ. Diese Objektive sind oft sehr lichtstark und haben in der Regel ein sehr hohes Auflösungsvermögen bzw. Schärfeleistung. Objektive mit einer Festbrennweite, sind zwar nicht so flexibel wie Zoomobjektive, werden aber wegen ihrer knack scharfen Abbildungsleistung besonders unter den Profifotografen sehr geschätzt.

Ein Festbrennweitenobjektiv mit einer Brennweite von 85mm wird z.B. sehr gern in der Portraitfotografie verwendet. Hier oft mit einer Lichtstärke von f1,8, oder gar f1,4. Je nach Geldbeutel versteht sich, ein so lichtstarkes Objektiv mit Offenblende f1.4 kostet oft mehr als ein vielfaches von einem Objektiv mit einer Offenbĺende von f1,8, was aber auch schon sehr lichtstark ist.

Objektivarten

Jetzt unterscheiden wir unter den oben genannten Objektiven noch zwischen Normalobjektiven, Teleobjektiven und Weitwinkelobjektiven, wobei es bei Zoomobjektiven in der Regel zu Überschneidungen kommt. Beachte bitte, dass die Brennweiten immer im Bezug zum Kleinbildformat / Vollformat (Sensorgröße 24mm x 36mm) angegeben sind. Bei Kameras mit kleineren Sensoren wie z.B. APS-C, oder Mft-Sensoren, muss natürlich der Crop-Faktor berücksichtigt werden.

Was ist ein Normalobjektiv?

Als Normalobjektiv werden Objektive bezeichnet, dessen Brennweite in Millimeter, in etwa der Diagonale des Bildsensors in Millimeter entspricht. So, dass Größenverhältnisse letztendlich im Raum so auf dem fertigen Bild abgebildet werden, wie Du sie ohne Verzerrung auch mit dem Deinem Auge sehen würdest.
Eine typische Normalbrennweite wäre an Vollformat ein Objektiv mit einer Brennweite von 50mm (Bildwinkel 50°). Bei APS-C Kameras ca. 35mm (Crop-Faktor 1,5) und an MFT ca. 25mm (Crop-Faktor 2).
Generell würde ich jedem Fotografen, besonders auch Einsteigern in der Fotografie, zu einem Normalobjektiv in seiner Ausrüstung raten.

Normalobjektive kannst Du bei der Portraitfotografie, Produktfotografie oder auch in der Architekturfotografie gut einsetzen.

Was ist ein Teleobjektiv?

Objektive deren Brennweite länger ist als die von Normalobjektiven ab ca. 60mm, zählen zu den Teleobjektiven. Sie erreichen 800 mm und sogar noch mehr. Man kann Teleobjektive auch so ähnlich wie ein Fernglas betrachten. Sie dienen in erster Linie dazu entfernte Objekte näher heranzuholen, indem sie Objekte quasi vergrößern.

Neben dem der Aufgabe Objekte heranzuholen, kann man Teleobjektive auch sehr gut gestalterisch einsetzen. 

Der Hintergrund des Hauptmotivs verschwimmt zunehmend in Unschärfe, desto größer die Brennweite wird (Schärfentiefe nimmt ab). Der Hintergrund wirkt größer, während der Vordergrund kleiner wird. So kann ein Mond neben z.B. einer Kirchturmspitze riesig wirken.

Teleobjektive verdichten die Perspektive und eignen sich dazu wunderbar zur Portraitfotografie hier empfehle ich ein 85mm Objektiv auch mit 150mm lassen sich wunderschöne Portraits erstellen, wo die Person scharf abgebildet werden kann und der Hintergrund unscharf wird. Stichwort: Freistellung des Motivs vom Hintergrund.

Ein Teleobjektiv ist eine sinnvolle Ergänzung für Deine Fotoausrüstung. Du kannst es überall einsetzen, wo Du sonst nicht nah genug an Dein Motiv herankommst. Für die Fotografie von scheuen Tieren, Mondfotografie und besonders auch die Portraitfotografie kannst Du ein Teleobjektiv sinnvoll nutzen.

Was ist ein Weitwinkelobjektiv?

Objektive mit Brennweiten kürzer als von Normalobjektiven, also kleiner als ca. 40mm werden als Weitwinkelobjektive bezeichnet. Im Gegensatz zu Teleobjektiven werden hier entfernte Objekte kleiner abgebildet und sehr nahe Objekte groß. Siehe weiter oben unter den Beispielfotos 15mm und 25mm, der Kirchturm ist da fast nicht zu sehen. Der Bildmaßstab wird bei Weitwinkelobjektiven bei entfernten Objekten verkleinert während er bei nahen Objekten vergrößert wird; siehe das Ahornblatt auf dem Bild. 

Der Bildwinkel von besonders kurzen Weitwinkelobjektiven ist größer als es für das menschliche Auge aussehen mag. Du bekommst also viel mehr auf Dein Bild, als mit einem Normalobjektiv. Besonders kurze Objektive kleiner 20 mm werden übrigens auch Ultraweitwinkelobjektive genannt.

Weitwinkelobjektive werden besonders gern in der Landschaftsfotografie eingesetzt. Wenn Du also gern Landschaften fotografierst oder auch Architektur, dann gehört auch ein solches Objektiv in Deine Fotoausrüstung.

Was ist ein Fisheye Objektiv?

Das Fisheye Objektiv (Fischaugenobjektiv) ist ein ganz besonderes kurzbrennweitiges Objektiv, welches durch Verzerrung ein komplettes Gesichtsfeld abbilden kann. Dies wird erreicht, indem die Frontlinse gewölbt ist und weit aus dem Objektivtubus herausragt, ähnlich wie bei dem Auge von einem Fisch.

Mit einem Fisheye lassen sich ungewöhnliche Aufnahmen machen, besonders in der Architekturfotografie haben sie ihren Reiz. Stichwort: Stürzende Linien.

Man kann mit derartigen Objektiven auch kleine Räume deutlich größer erscheinen lassen, als sie in Wirklichkeit sind. Man hat quasi fast den rundum Blick, da man Bildwinkel bis 180° erzielen kann.

Was ist ein Makroobjektiv?

Makroobjektive sind ganz spezielle Objektive, welche eine sehr geringe Naheinstellungsgrenze haben. D.h. Du kannst ganz nah an Dein Motiv heran und kannst im Gegensatz zu normalen Objektiven trotzdem noch fokussieren, also Dein Motiv scharf stellen.

Durch diese besondere Eigenschaft kannst Du einen großen Abbildungsmaßstab erzielen und so Dein Motiv mit einem Maßstab von 1:2 oder sogar 1:1 abbilden, also Formatfüllend. 

Normale Objektive können oft nur Maßstäbe von 1:4 bis 1:9 abbilden. Mit einem Makroobjektiv wirst Du sicher Deine Freude haben, wenn Du z.B. Insekten, oder Blüten groß auf Deinen Fotos haben möchtest. Du musst hier allerdings beachten, dass durch die geringe Distanz zum Motiv, die Schärfentiefe auch deutlich geringer wird.

Weiter geht´s zur Lektion 8: Die Schärfentiefe

Erstellt am: 19.02.2021
Zuletzt bearbeitet: 24.02.2021